Karlsberg entscheidet sich für Heineken und BHI

„Koalition der Gewinner“

Die Entscheidung ist gefallen: Der Unternehmensverbund Karlsberg wird künftig mit dem niederländischen Braukonzern Heineken N.V. und der Brau Holding International AG kooperieren. Beide Partner vereinbarten eine umfassende Zusammenarbeit im Bereich des Markenvertriebs, die über eine Kapitalerhöhung bei der Karlsberg International Brand GmbH (KIB) und der Aufnahme eines neuen Gesellschafters mit einer 45-prozentigen Beteiligung an der KIB auch gesellschaftsrechtlich untermauert wird. Neuer Gesellschafter ist die 2001 gegründete Brau Holding International, ein Joint-Venture zwischen Heineken und der Münchner Schörghuber Gruppe. Die Partner gehen davon aus, dass die Transaktion im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Dr. Richard Weber, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmensverbunds Karlsberg und alleiniger Managing Director der KIB, ist überzeugt: „Wir haben uns für eine Koalition der Gewinner entschieden: Heineken ist der Brauereikonzern mit der weltweit größten internationalen Erfahrung.“ Zudem gewinne Karlsberg mit Heineken seinen „Wunschpartner“. Im Vorfeld hatten weitere internationale Braukonzerne großes Interesse an einer Kooperation mit dem Karlsberg-Verbund bekundet.

Mit Heineken, dessen Bierprodukte in 170 Ländern der Welt distribuiert werden, will Karlsberg vor allem die Internationalisierung seiner erfolgreichen Marken vorantreiben. Nach bahnbrechenden Erfolgen im Segment der Biermischgetränke – Karlsberg ist hier unbestrittener Marktführer in Deutschland – will man nun verstärkt internationale Märkte erschließen. Die Karlsberg International Brand GmbH ist Dachgesellschaft des Karlsberg-Biergeschäfts in Deutschland und lenkt die Ausrichtung zahlreicher operativer Einheiten, darunter die Karlsberg Brauerei, die Königsbacher Brauerei und Unternehmen im Distributions- und Dienstleistungssegment. Dr. Richard Weber: „Wir wollen den erfolgreich eingeschlagenen Weg `Wachstum durch Zellteilung` konsequent fortsetzen, diesen aber durch ein neues, international agierendes Netzwerk ergänzen.“ Die einzelnen Firmen bleiben in der operativen Durchsetzung daher nicht nur eigenständig, sondern sollen auch Impulse für dieses nunmehr transnationale Unternehmen geben. Die Geschäftsfelder des Karlsberg-Verbunds in Frankreich (Biere, Fruchtsäfte, Dienstleistungen) sind von der Kooperation nicht betroffen.

Die Unternehmensgruppe Karlsberg als Getränke-, Immobilien-, Wellness- und Dienstleistungs-Verbund strebt eine Stärkung ihres Biersegments innerhalb des Gesamt-Getränkebereichs (insgesamt 14 Millionen Hektoliter Mineralwasser, Coca- Cola, Fruchtsäfte und Biere) an, unterstreicht Dr. Weber: „Wir schließen diese Partnerschaft in der gemeinsamen festen Überzeugung, dass Innovation, Distribution und Konzentration auf spezielle Bier-Marken im Hochpreis-Segment die Schlüssel für den Erfolg der Zukunft auf dem deutschen Biermarkt sind.“

Bei Karlsberg, so Unternehmenschef Richard Weber, habe man die Globalisierung schon frühzeitig als Chance verstanden. Die Kooperation mit Heineken ist für den Unternehmensverbund das Ergebnis langjähriger Vorbereitungen. Weber erläutert: „Im globalen Markt sind diejenigen Unternehmen am erfolgreichsten, die Entwicklungen von morgen heute schon einkalkulieren und bei ihren strategischen Aktivitäten umfassend berücksichtigen. Deswegen hat sich der Karlsberg-Verbund in den vergangenen Jahren intensiv auf die Märkte der Zukunft vorbereitet und mit Blick auf veränderte Marktbedingungen und Verbrauchergewohnheiten neu orientiert.“ Zahlreiche Produktinnovationen wie beispielsweise Karlsberg MiXery oder Desperados und die Öffnung in internationale Märkte mit einem starken Standbein in Frankreich (Karlsbräu France, Saverne Transports und die Brasserie de Saverne) sind hierfür die besten Belege. Darüber hinaus spiegelt die sehr erfolgreiche Positionierung der internationalen Marke Desperados auf dem deutschen Markt und die Partnerschaft mit Coca-Cola, dem größten Global Player überhaupt, die internationale Ausrichtung des Karlsberg-Verbunds deutlich wieder. Mit Heineken an der Seite kann Karlsberg vor allem das Biergeschäft weiter internationalisieren. Dabei wird die Karlsberg Brauerei verstärkt zu einer Sortimentsbrauerei mit regionalen, nationalen und internationalen Marken. Auch die eigene Marke MiXery, die sich in den letzten fünf Jahren enorm profiliert habe, sei nun „reif für den internationalen Markt“. Weber kündigt an: „Wir sind davon überzeugt, daß MiXery auch außerhalb Deutschlands hervorragende Chancen hat".

Alle weltweiten Strategien fußen jedoch, so Weber, nach wie vor auf der starken Präsenz in der Region. Weber erläutert: „Je globaler die Welt wird, desto mehr suchen die Menschen nach ihren regionalen Wurzeln. Neben der Internationalität ist deshalb bei Karlsberg die Regionalität ein fundamentaler Wert, der nie aufgegeben wird.“ Im Gegenteil: Das regionale Know-how des Karlsberg-Verbunds sei einer der Erfolgsfaktoren, der auch für Heineken von Bedeutung sei. Das Konzept der Zukunft heiße, weltweite Netzwerke für regionale Märkte zu schaffen, um auch künftig den Getränke- und Dienstleistungsmarkt erfolgreich mitgestalten zu können. Die Stellung Karlsbergs als Familienunternehmen stehe dabei für Kontinuität und bleibe in jedem Falle unangetastet.

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Homburg, 4. Juni 2002