Bilanzpressekonferenz des Karlsberg Verbundes am 24.09.2003 in Homburg;


(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Meine Damen, meine Herren,

ich freue mich, dass Sie hier sind und heiße Sie herzlich willkommen zur Bilanzpressekonferenz des Karlsberg Verbundes.

Ich möchte Sie zu Beginn mit zwei Zitaten konfrontieren: 1. "Wir befinden uns in einer von Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichneten Gesamtwirtschaft... In der bundesdeutschen Brauwirtschaft ist ... kein Zuwachs des Bierabsatzes mehr zu verzeichnen. Der dadurch ausgelöste Verdrängungswettbewerb schlägt sich in vielen Brauereien in einer nachhaltigen Ertragsschwäche und in einem dadurch ausgelösten Substanzverzehr nieder. Verstärkt werden diese Wirkungen durch Anti-Alkoholkampagnen und ... durch eine zunehmende Diskriminierung einwegverpackter Produkte." Dies war nicht eine aktuelle Lageeinschätzung, sondern Teil meiner strategischen Standortbestimmung bei einer internen Führungskräfte-Tagung vor genau 20 Jahren.

2. "Dass dieses Jahr für die deutsche Brauwirtschaft kein Honigschlecken werden würde, war von vornherein klar. Doch es kam schlimmer. Das abgelaufene Berichtsjahr war katastrophal." Auch diese Aussage, meine Damen und Herren, bezieht sich nicht auf die aktuelle Situation, sondern es handelt sich um ein Zitat aus einer Branchen-Zeitschrift und bezieht sich auf das Jahr 1993.

Diese beiden Einschätzungen von vor 20 und vor 10 Jahren zeigen deutlich, dass die goldenen Zeiten der deutschen Brauwirtschaft wohl schon lange vorbei sind. "Krisengeschüttelt" ist unsere Branche schon seit Jahrzehnten, und gejammert wird mindestens ebenso lange. Einige Marktteilnehmer, die über das Jammern nicht hinausgekommen sind, sind verschwunden. Andere haben aus diesen Krisen gelernt, ihre strategische Ausrichtung darauf abgestimmt und sind letztlich gestärkt daraus hervorgegangen.

Ich möchte heute nicht in das allgemeine Jammern über die aktuelle wirtschaftliche Lage einstimmen. Sie alle kennen die Wirtschaftsdaten zu genüge und können sie auch noch mal in unserem Geschäftsbericht nachlesen. Sie sind wahrlich nicht erfreulich, aber auch das ist ja nicht Neues. Und auch wenn das allgemeine Konsumklima langsam wieder etwas freundlicher zu werden scheint, ändert das doch nichts daran, dass die deutschen Getränkemärkte weitgehend gesättigt sind. Nur mit immer noch mehr Bier, Saft, Wasser oder Erfrischungsgetränken können wir schon lange niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Statt über die Politik und die Verbraucher zu schimpfen, möchte ich mit Ihnen anhand des Beispiels der deutschen Brauwirtschaft kurz beleuchten, inwieweit einige grundlegende Probleme eigentlich hausgemacht sind. (Für die anderen Getränkesegmente gelten ähnliche Parameter).

Wissen Sie, wer Pyrrhus war? Der König von Epirus wurde im dritten Jahrhundert vor Christus von der griechischen Kolonie Tarentum in Süditalien um Hilfe gegen die Römer gebeten. Mit 25.000 Männern und 20 Kriegselefanten segelte er nach Italien und schlug die Römer in den Schlachten von Herakleia und Ausculum. Es gab nur ein Problem bei diesen Siegen: Die schweren Verluste in den eigenen Reihen. Der König kommentierte sie mit den Worten "Noch so ein Sieg, und wir sind verloren." Der Name des Königs war Pyrrhus - und seit dieser Zeit spricht man von Pyrrhus-Siegen.

Auch in der Brauwirtschaft gibt es in meinen Augen Pyrrhus-Siege. Ich möchte Ihnen beispielhaft nur fünf Irrtümer der Vergangenheit aufzeigen und daraus Ideen für die Zukunft entwickeln. Die deutsche Brauwirtschaft muss - anders als Pyrrhus - vermeiden, Siege zu erringen, bei denen sie mehr verliert als gewinnt, sie muss vermeiden, Schlachten zu schlagen, die sie nur unter hohen Verlusten gewinnen kann.

Irrtum Nr. 1: Was bei dem einen klappt, muss doch auch bei mir klappen!

Sicherlich ist es richtig und notwendig, als Brauerei ständig den Markt und die Wettbewerber zu beobachten. Beobachten heißt aber nicht einfach kopieren, sondern beobachten heißt analysieren und dann eigene Schlüsse ziehen, eigene Produkte entwickeln.

Die deutschen Brauer sind stolz auf ihre 5.000 verschiedenen Biermarken. Aber bieten wir eigentlich dem Verbraucher wirklich 5.000 verschiedene Geschmackserlebnisse? Wir haben uns, um nur ein Beispiel zu nennen, alle viel zu sehr auf eine Sorte, nämlich Pils, konzentriert, weil doch die anderen auch so einen Erfolg damit hatten. Haben wir nicht dem Verbraucher damit auch suggeriert, Bier sei gleich Pils? Was ist eigentlich aus den sogenannten "Randsorten" geworden? Und wie ist es mit der Verpackung? Hat der eine Brauer Erfolg mit einer blauen Flasche, können Sie sicher sein, dass bald weitere blaue Flaschen auf dem Markt erscheinen.

Der Mut zum Risiko ist bei vielen Unternehmern, nicht nur bei Brauern, verlorengegangen. Wo sind denn Neuentwicklungen, neue Formen der Ansprache, neue Produkte für neue Zielgruppen? Außer den Herstellern von Fotokopiermaschinen ist noch niemand allein mit Kopieren erfolgreich geworden. Erfolgreich sind diejenigen gewesen, die eigene Wege gegangen sind.

Karlsberg hat in seiner 125 jährigen Geschichte bewiesen, dass wir gerne neue Wege gehen. Innovationen in der Technik, im Vertrieb, bei der Verpackung und bei Produkten haben bei uns Tradition. Unser Erfolg auch und gerade in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten hat uns Recht gegeben. Wir sind stolz darauf, dass wir diejenigen sind, die von anderen kopiert werden!

Irrtum Nr. 2: Was soll ich denn im Ausland?

Jahrzehntelang haben sich die deutschen Brauer auf den Erfolgen im Inland ausgeruht. Warum sollte man da über die Grenzen des Landes hinausschauen, vor allen Dingen wenn - im Unterschied zum Saarland - die nächste Grenze weit entfernt war?

Aber: Irgendwann endeten die Wachstumschancen im Inland. In dieser Situation besannen sich viele, dass auch im Ausland Bier getrunken wird. Aber beim Blick über die Grenzen ging es manchen wie in der Geschichte vom Hasen und Igel. In fast allen Ländern gab es schon einen Igel, der rief "Ik bün all do!" Es waren übrigens immer wieder die gleichen Igel.
Im Ausland gibt es nicht nur Wachstumsmöglichkeiten in sehr vielen Ländern, im Ausland gibt es auch noch die Möglichkeit, Bier zu einem guten Preis zu verkaufen.

Wir haben aus unserer Geschichte gelernt und die "Angst" vor dem Ausland schon früh verloren. Das Saarland pendelte kriegsbedingt immer wieder zwischen dem deutschen und dem französischen Wirtschaftsraum hin und her. Wir haben gelernt, uns auch auf eine ganz andere Bierkultur einzustellen. Und nicht zuletzt unsere eigene Brauerei im Elsass hat uns kostbare Erfahrungen im Auslandsgeschäft gebracht.

Irrtum Nr. 3: Die Ausländer werden uns schon in Ruhe lassen!

Jahrzehntelang haben die Brauer geglaubt, dass die Ausländer Deutschland in Ruhe lassen würden. Was wollen die denn auf dem deutschen Biermarkt? Hier kann man doch kein Geld verdienen. Ausländer sind doch nur an Marktanteilen interessiert, und die kann man doch in Deutschland mit seiner atomisierten Struktur der Brauwirtschaft kaum erringen. Die weitere Entwicklung ist uns allen bekannt. Heute heißt die größte Brauereigruppe in Deutschland Interbrew.

"Gibt es bald kein deutsches Bier mehr?" titelte vor kurzem die Wirtschaftswoche. Der "Ausverkauf der deutschen Brauindustrie" wird an die Wand gemalt. Warum diese Drohkulissen?

Nur zwei Bemerkungen dazu: Zum einen leben wir in einer globalisierten und internationalisierten Welt. Sich gegen die Globalisierung aufzulehnen verspricht ähnlichen Erfolg, wie sich gegen die Schwerkraft aufzulehnen. Was also für deutsche Unternehmen gilt, nämlich sich im Ausland zu engagieren, muss auch für ausländische Unternehmen gelten, nämlich sich in Deutschland zu engagieren. Und offensichtlich betrachten die Ausländer den deutschen Markt nicht so skeptisch wie manche deutsche Brauereien oder Institute: Sie sind davon überzeugt, dass man in Deutschland auch mit Bier Geld verdienen kann. Eine schöne Perspektive, meine Damen und Herren!

Zum anderen: Ein solches Engagement ausländischer Brauer bei uns eröffnet deutschen Bierprodukten neue Absatzchancen im Ausland. Durch unsere Partnerschaft mit Heineken und BHI haben wir die Option, das weltweite Distributionsnetz unserer Partner zu nutzen, um Produkte mit internationalem Potential, wie z.B. MiXery und Desperados, im Ausland zu vertreiben.

Irrtum Nr. 4: Wer trinkt schon Bier aus Dosen?

Die Karlsberg Brauerei war eine der ersten Brauereien, die ihr Bier in Dosen abgefüllt hat, derzeit vor allen Dingen für die französischen Soldaten in Indochina. Hätte uns damals jemand prophezeit, dass Ende 2002 der Anteil von Dosenbier im Lebensmitteleinzelhandel und in den Getränkeabholmärkten bei fast 30 Prozent liegen würde, niemand hätte ihm geglaubt (übrigens ebenso wenig wie die Tatsache, das der Dosenbierabsatz im ersten Halbjahr 2003 um 50 Prozent einbrechen würde). Früher hat kaum jemand geglaubt, dass Verbraucher Bier aus Dosen trinken. Heute glauben viele, das der Verbraucher kein Bier aus Plastikflaschen trinkt. Schauen Sie sich die Marktsituation zum Beispiel bei Mineralwasser an. Mineralwasser in Plastikflaschen ist inzwischen fast zum Normalfall geworden. Verpackungsfragen sind Wettbewerbsfragen, und wer im Wettbewerb bestehen will, muss sich auch um Verpackungen kümmern.

Dabei muss nicht jeder alles selbst machen. "Ich bin der Größte, Stärkste, Beste." Wer so denkt, wird sicherlich alles alleine machen - und dann vielleicht auch alleine scheitern. Dass Kooperationen nötig sind, weiß jeder ökonomisch denkende Mensch. Im Karlsberg Verbund haben wir gute Erfahrungen mit Partnerschaften, gerade auch in Abfüllungsfragen, gemacht. Sogar branchenübergreifend bei Bier, Saft, Wasser und Erfrischungsgetränken untersuchen wir die Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Und damit sparen wir viel Geld, das wir dann lieber im Wettbewerb einsetzen.

Irrtum Nr. 5: Nur die Größe ist entscheidend!

Wie das berühmte Kaninchen auf die ebenso berühmte Schlange, so haben die deutschen Brauer jahrzehntelang auf die Hit-Listen geschaut, um festzustellen, wie viele Hektoliter mehr die eigene Brauerei im Vergleich zu den anderen produziert hat. Jeden Monat häufen sich die Anrufe beim Deutschen Brauer-Bund, ob denn die Absatzzahlen des Vormonats schon da seien. "The bigger - the better" scheint der Wahlspruch zu sein. Aber in der Brauwirtschaft ist es wie im richtigen Leben: Die Größe ist nicht entscheidend. Aber solange wir den Erfolg einer Brauerei nur an ihrem Ausstoß messen, wird diese Erkenntnis sich wohl kaum durchsetzen.

Sie wissen, dass die Karlsberg-Brauerei seit mehreren Jahren keine Ausstoßzahlen mehr veröffentlicht, weil wir uns schon vor langem darüber klar geworden sind, dass diese Zahlen nicht viel über unseren Getränke- und Dienstleistungsverbund aussagen. Auch sind wir immer wieder bereit, auf Billig-Hektoliter im Handel zu verzichten, wenn der Preis noch mehr gedrückt werden soll. Denn manchmal ist kein Geschäft das bessere Geschäft.
Meine Damen und Herren, verabschieden wir uns vom reinen Hektoliter-Denken! Konzentrieren wir uns darauf, Erträge zu erwirtschaften! Halten wir es mit meinem bayerischen Brauerkollegen Gerd Borges, der vor kurzem sagte: "Ich frage Sie ja auch nicht, wie groß Sie sind. Ich frage Sie, ob es Ihnen gut geht."

Sehr geehrte Damen und Herren, aus Fehlern kann und sollte man lernen, Irrtümer kann und sollte man erkennen, und dann die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Viele erfolgreiche Brauereien in Deutschland haben das verstanden. In einer Zeit, in der der Druck auf die Branche zunimmt, fällt es vielleicht leichter, sich von Althergebrachtem zu trennen und neue Wege zu gehen.

Dennoch sind wir uns bei Karlsberg sicher: Nur wer ständig seine Organisation überprüft, hat auf Dauer Erfolg. Nachhaltiges Renovieren statt kurzfristiges Reparieren ist die Devise, oder anders ausgedrückt: Evolution statt Revolution. Wer erst in der Krise anfängt, über seine Strategie, über Restrukturierung nachzudenken, der ist zu spät dran. So schafft man keine Basis für dauerhaften Erfolg! Wer nur noch auf kurzfristige Entwicklungen reagiert, statt vorausschauend und gestaltend zu agieren, der ist wirklich in einer Krise. Statt dessen gilt es, die eigenen Aktivitäten regelmäßig kritisch zu prüfen, bevor es überhaupt zu Krisen kommt. Das heißt auch, sich laufend an sich verändernde Marktverhältnisse anzupassen. Und wer den Markt im Auge behält, entgeht auch der Gefahr, sich nur noch mit sich selbst zu beschäftigen. In guten Zeiten ist es natürlich sehr viel schwieriger, die Mitarbeiter für periodisch wiederkehrende Umbauten zu motivieren. Das kostet schließlich immer Energie. Aber ständige Veränderung verbraucht letztlich viel weniger Kraft als einzelne, tiefgreifenden Brüche. Zu kontinuierlichen Anpassungen gibt es deshalb keine Alternative.

Bei Karlsberg ist diese ständige Veränderung Teil der Unternehmenskultur geworden. "Heute schon tun, was andere morgen denken", das ist einer der Leitsätze unserer Unternehmenskultur. Ein anderer, der ebenso wichtig ist, lautet: "Unser Erfolg wird nach Generationen bemessen". Dieser Satz beinhaltet die Maxime der Nachhaltigkeit unseres Handelns und unseres Wachstums. Auch das Bild, das ich bei unserer 125 Jahr-Feier benutzt habe, passt in diese Art des Denkens: Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt. Das heißt: Langfristige Leistungskraft geht vor kurzfristiger Optik. Als Familienunternehmen haben wir vielleicht bessere Voraussetzungen als zum Beispiel ein börsennotiertes Unternehmen, um eine solche Überzeugung umzusetzen. Grundsätzlich aber ist diese Einstellung unabhängig von der Unternehmensform.

Unsere Überzeugung von der Notwendigkeit ständiger Veränderung und Restrukturierung hat mit dazu geführt, dass ich Ihnen - wie eigentlich jedes Jahr - wieder etwas Neues im Verbund vorstellen kann. Dazu möchte ich Ihnen ein kurzes Märchen erzählen:

Es waren einmal fünf Mäuse. Sie wohnten in einer Scheune. Die Vordermaus wohnte direkt neben der Tür, die Hintermaus gegenüber, am hinteren Ende der Scheune. Die Rechtsmaus wohnte in einer kuscheligen Ecke der rechten Wand und die Linksmaus in der linken Wand. Die Dachmaus lebte an einem netten Plätzchen auf dem Dachboden, dort wo das Heu lagert. Sie hatten alle miteinander sehr viel Spaß, genossen ihre Gesellschaft, das gemeinsame Futtersuchen und das Ärgern der Katze.
An einem schönen Sommerabend gingen sie schlafen, jede in ihre Kuschelecke. Plötzlich erschraken sie fast zu Tode. In der Scheune hatte es "Muh" gemacht, und noch einmal "Muh". Aufgeregt rannten die Mäuse aus der Scheune. Alle redeten wild durcheinander über das riesige Ungeheuer. "Ich habe es genau gesehen", sagte die Vordermaus, "es hängt in der Luft und hat Hörner." - "Ich wusste ja schon immer, dass Du blöd bist", rief die Rechtsmaus, "das Ungeheuer hat keine Hörner. Es sieht aus wie ein langer Tisch mit einer ganz dicken Platte drauf." Die Linksmaus verbündete sich sofort mit der Rechtsmaus und stimmte ihr mit ihrer piepsigen Stimme zu. Da aber schrie die Hintermaus in das Durcheinander: "Ruhe! Ruhe! Ihr habt ja alle keine Augen im Kopf! Das Ding ist eine Wasserpumpe. Rechts und links sind zwei Säulen und in der Mitte ist so ein Schwengel. Wenn der sich hebt, kommt Wasser aus dem Ungeheuer. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen." Jetzt ging der Streit erst richtig los. Die Stimmen überschlugen sich. Die Rechts- und die Linksmaus bestanden auf ihrer Version. Die anderen kämpften um ihre jeweilige Sichtweise. Den Verletzungen mit harten Worten folgten schon bald die ersten Bisswunden. Bis sich endlich die Dachmaus Gehör verschaffte: "Stopp! Hört auf! Ihr habt ja alle Recht! Jede hat ihren Standpunkt, aus dem sie das Ungeheuer sieht. Lasst uns um das Ding herumgehen und jeden Stand-Punkt gemeinsam einnehmen." Der Widerstand gegen den Vorschlag war nur kurz. Die Wunden schmerzten, und außerdem hatte es schon wieder "Muh" gemacht. Es musste endlich Klarheit her. Die kam dann bei dem Rundgang auch sehr schnell. Erstaunt, aber sehr erleichtert, freuten sich die Mäuse über ihre neue Erfahrung und die wiedergefundene Einigkeit. Sie tanzten bis in den frühen Morgen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen sie noch heute.

Meine Damen und Herren, ganz so turbulent wie in der Geschichte geht es bei uns im Verbund üblicherweise nicht zu. Trotzdem gibt es auch bei uns manchmal sehr unterschiedliche Sichtweisen ein und desselben Sachverhalts. Ein verregneter Sommer zum Beispiel ist für die Brauerei und das Wassersegment eine Katastrophe. Unser Herr Schwarzenberger mit seinen Kaffee- und Heißgetränkeautomaten kann sich aber darüber freuen. Diesen Sommer war es umgekehrt. Oder Beispiel Zwangspfand: Wo einige darunter leiden, profitiert unser Saftladen mit seinen innovativen, unbepfandeten Kartonverpackungen und unsere Coca-Cola Konzession, deren Einweg-lastiger Mitbewerber fast vom Markt gefegt wurde... Jedes Problem hat mehrere Seiten, wie uns ja auch das Märchen von den Mäusen deutlich gezeigt hat.

Um eine vielschichtigere Betrachtungsweise der Marktverhältnisse zu gewährleisten und damit unseren Weg des Wachstums durch Zellteilung fortzusetzen, haben wir die einzelnen Zellen unseres Unternehmens noch effizienter miteinander vernetzt. Wir haben unser Management-Board um Vertreter neuerer Wachstumszellen erweitert, um sie noch direkter an den strategischen Entscheidungen für den Verbund zu beteiligen. Die betroffenen Unternehmen und ihre Bedeutung für den Verbund sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Die serviPlus GmbH, die GFGH-Kooperations- und HandelsGmbH und die Südwest Getränke Plus GmbH haben eine Dimension erreicht, die eine Vertretung im Board sinnvoll macht. Mit der erfolgreichen Internationalisierung des inländischen Biersegments durch die Partnerschaft mit Heineken und der BHI rückt nun das ausländische Karlsberg-Biersegment verstärkt in den Focus der Karlsberg Holding. Zudem wird das Finanzcontrolling im Zuge der Internationalisierung weiter an Bedeutung gewinnen.

Das neue Board bündelt künftig also zusätzliche segments- und branchen-übergreifenden Erfahrungswerte. Das bewährte sechsköpfige Team, dem neben mir selbst die Unternehmensleitung mit Heinz Seibert und Dr. Peter Rusitzka sowie die Geschäftsführer Uli Grundmann von Karlsberg, Rudolf Loris von Merziger und Uller Muttke von der OKKO angehörten, wird um fünf Mitglieder erweitert. Neu im Board sind Willi Hauser für GFGH-Kooperationen, Udo Helfgen für das französische Bier- und Saftgeschäft, Hans-Jürgen Kolacki für die SWG, Wolfgang Schwarzenberger für serviPlus und Gerhard Theis für das Finanzcontrolling der Karlsberg Brauerei.

Wir haben damit ein noch größeres Netzwerk der Kompetenzen geschaffen. Gemeinsam werden wir auch in Zukunft ständige Veränderungen im Verbund anstoßen und umsetzen.

Meine Damen und Herren, einen Lagebericht finden Sie in Ihren Unterlagen - ausführlich in unserem Geschäftsbericht und zusammengefasst in der Presseinformation. Gerne können wir jetzt auch en Detail darüber reden. Das gesamte Board und natürlich ich selbst stehen gerne dafür bereit.

Meine Einschätzung zum abgelaufenen und zum laufenden Geschäftsjahr:

Trotz des schwierigen Umfelds haben wir in der Karlsberg Brauerei KG Weber und der Karlsberg Holding GmbH (geschäftsleitende Holding), die aus der Zwischenfinanzierung des Aktienerwerbs Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG belastet war, zufriedenstellende Ergebnisse erzielt.

Das Verbundsergebnis (Konzernabschluss) stellt sich für das Berichtsjahr negativ dar. Es ist zu berücksichtigen, dass die im Ergebnis enthaltene KIB-Gruppe nur mit 9/12 (01.04. - 31.12.2002) - wegen Änderung des Geschäftsjahres - enthalten ist.

Das Verbundsergebnis ist im Wesentlichen belastet durch die Restrukturierungsaufwendungen
- bei der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG (rund 11 Millionen Euro)
- bei den sich im Beteiligungsportfolio befindenden Getränkefachgroßhändlern (2,6 Millionen Euro) sowie
- beim französischen Fruchtsaftunternehmen Cidou (2,5 Millionen Euro).

Dennoch stehen wir besser da als viele andere in der Branche. Die Auswirkungen des Pflichtpfandes haben uns nicht allzu sehr gebeutelt. Kurzarbeit konnte bislang in allen Bereichen vermieden werden. Vertrieb und Technik in der Brauerei, aber auch in den anderen Segmenten haben tolle Arbeit geleistet und waren sehr erfolgreich bei der Umstellung von Einweg auf Mehrweg.

Der tolle Sommer war natürlich für die ganze Branche ein Geschenk. Über die seit dem 2. Januar dieses Jahres erfolgte Beteiligung von Heineken und der BHI an der Karlsberg International Brand GmbH stehen internationale Vertriebskanäle zur Verfügung, die für Produkte mit entsprechendem Potential des inländischen Brauereisegments genutzt werden sollen. Auch im Inland erwarten wir mit unserer Partnerschaft eine noch bessere Marktausschöpfung.
Für die MinAG zeichnet sich nach erheblichen internen Umstrukturierungen bereits jetzt eine erfreuliche Besserung der Ertragslage ab. Auch für unser französisches Fruchtsaftsegment sehen wir mit unserem französischen Partner positiv in die Zukunft.

Innovative Neuprodukte und verbraucherfreundliche Gebinde, die zielgruppenorientiert auf dem Markt positioniert werden, sind weiterhin wichtige Bausteine für den Erfolg unseres Verbundes. Wir freuen uns auf neue Herausforderungen und erwarten für das laufende Geschäftsjahr wieder ein zufrieden stellendes Ergebnis, das an bisherige Entwicklungen anknüpft.

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